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Win-win-win:
Holzwärme im politischen Kontext

Ende 2019 beschloss die Europäische Kommission den europäischen Green Deal. Hiernach soll Europa bis 2050 zum ersten klimaneutralen Kontinent werden. So beschloss die EU bis 2030 eine CO2-Reduktion um mindestens 65 Prozent im Vergleich zu 1990.

Diese ambitionierten Klimaschutzziele haben erhebliche Konsequenzen für den Gebäudebereich und den Wärmemarkt. Neben einer deutlichen Anhebung der Heizungsmodernisierungsquote im Wohngebäudebereich, dem Einsatz effizienter Heizungstechnologien mit erneuerbaren Energien sowie einer Steigerung der Gebäudehüllenmodernisierungen werden die ambitionierten Klimaziele außerdem nur über die zusätzliche Dekarbonisierung der Energieträger im Wärmemarkt erreicht werden können. Der Holzenergie kommt neben Green Fuels, Green Electricity und Green Gases eine besondere und wachsende Bedeutung zu.

Energiepolitik und
Versorgungssicherheit

Die aktuelle Coronakrise führt zu einer Rückbesinnung auf die Vorteile regionaler Versorgungsstrukturen. So kommt die Holzenergie am Ende der Holzverwendungskette mit rund 64 Mio. m3 Holz zum allergrößten Teil aus deutschen Wäldern und besteht aus nicht mehr verwertbaren Energiehölzern sowie Nebenprodukten der Holzindustrie. Bei der Holzernte anfallende Holzreste (Waldrestholz), die nicht für die stoffliche Verarbeitung geeignet sind, werden durch die Forstwirtschaft für den Handel oder durch den Heizungsbetreiber selbst für den Eigenverbrauch aufgearbeitet.

Die in Deutschland gesetzlich vorgeschriebene und hinsichtlich der gesamten Waldfläche praktizierte nachhaltige Forstwirtschaft verbindet sich mit der klimafreundlichen CO2-Neutralität des Brennstoffes und der Schaffung bzw. Sicherung von Arbeitsplätzen in der Holzwirtschaft, in der Industrie und im Handwerk. Die vielfältige Nutzung der Wärmegewinnung aus Holzenergiesortimenten überzeugt zunehmend mehr Verbraucher. Niedrige Brennstoffkosten, verbunden mit hohem Komfort und attraktiven hohen öffentlichen Zuschüssen über die „Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG)“ erhöht aktuell den Anteil moderner Holzfeuerungen am Heizungsmarkt. Das Bedürfnis der Menschen, während der Corona-Epidemie in die eigenen vier Wände zu investieren verstärkt diesen Effekt.

³ KIWUH, „Broschüre Wald und Holz in Deutschland“, S. 39.

  • Im Vergleich der Bioenergieträger ist Holz der mit Abstand bedeutendste Rohstoff. Rund die Hälfte der Endenergiebereitstellung aus Biomasse entfällt auf Holz. Wichtigster Einsatzbereich ist das Heizen
     
  • Im Gegensatz zu den regenerativen Energiequellen Wind und Sonne, die fluktuierend und daher nicht immer am richtigen Ort in der richtigen Stärke vorhanden sind, stellt Holz eine zuverlässige, verlustfrei lagerfähige Energiequelle dar
     
  • Die Jahre 2018 bis 2020 waren für den Wald in Deutschland durch Trockenheit, Stürme und Insekten außergewöhnlich belastend. Für die dadurch hervorgerufenen Waldschäden wird der Energiemarkt zum Absatz großer Schadholzmengen benötigt. Dieses aus dem Wald zu verbringende Holz muss dem Borkenkäfer als Brutraum entzogen werden – ist aber aus qualitativen Gründen meistens nicht mehr stofflich im Sägewerk verwertbar. Eine Vermarktung als Holzhackschnitzel sichert dem Waldbesitzer – z. B. zur notwendigen, teuren Wiederaufforstung noch eine gewisse finanzielle Entschädigung. Zudem entfaltet dieser Prozess durch den CO2-neutral verbrennenden Energieträger Holz, der fossile Brennstoffe ersetzt, noch eine positive Klimawirkung

„Für die Zielerreichung des Green Deals müssen wir alle energetischen Register ziehen und besonders die großen Potenziale der Holzwärme nutzen.“

—  Uwe Glock,
Präsident Bundesverband der
Deutschen Heizungsindustrie e. V. (BDH)

Arbeitsmarkt
Forst- und Holzwirtschaft

Durch den hohen Anteil und die starke Verbindung mit der Forstwirtschaft würde die weitere Stärkung der Holzenergie direkt auf die Erlössituation und die Beschäftigtenzahlen der Forstbetriebe einwirken und helfen, die wirtschaftlichen Herausforderungen zu meistern.

  • Im Jahr 2016 wurden durch die Bioenergie Wirtschaftsimpulse in Höhe von insgesamt über zehn Mrd. Euro ausgelöst⁴
  • Mehr als 113.000 Arbeitsplätze existieren in den Bioenergiesparten, davon 45.000 allein im Bereich der festen Biomasse
  • Investitionen in die Holzenergie sind Investitionen in den ländlichen Raum. Sie bieten eine hohe Wertschöpfungstiefe und somit zukunftsfähige Perspektiven für strukturschwache Regionen
  • Die Holzenergie ist eine Wirtschaftskraft mit positiven Effekten, insbesondere für mittelständische Unternehmen, die Bevölkerung und die Kommunen
  • Entlang der lokal-regionalen Wertschöpfungsketten der Holzenergie werden mit Einbau und Wartung der Anlagen durch heimische Handwerksbetriebe Wirtschaftsimpulse ausgelöst. Zudem können Bürgerinnen und Bürger über Genossenschaften oder regional verankerte Gemeinschaftsprojekte an der dezentralen Energieversorgung beteiligt werden
  • Holz als erneuerbarer Energieträger und damit Holzenergie schaffen nicht nur Akzeptanz und Einbindung der Menschen vor Ort, sondern tragen auch zu einer nachhaltigen ländlichen Entwicklung bei

⁴ Fachverband Holzenergie im BBE, August 2019.

„Die Holzwärme ist erneuerbar, nachhaltig und verbindet regionale Wertschöpfung mit innovativer Technik für die Wärmeversorgung in Stadt und Land. Damit leistet sie bereits einen entscheidenden Beitrag zu unseren Klimazielen und hat ihre Potenziale noch lange nicht ausgeschöpft.“

—  Jörn Kimmich,
Präsident Deutsche Säge- und Holzindustrie
Bundesverband e. V.

Klimapolitik und Klimaschutz

Holzenergie leistet einen zentralen Beitrag zur Dekarbonisierung im Energiesektor und zur regionalen Wertschöpfung. Die durch den Green Deal noch einmal verschärften CO2-Minderungsziele bis zum Jahr 2030 lassen sich nur mit einem beschleunigten Ausbau der „grünen Energieträger“ im Wärmemarkt erreichen. Dabei bedingen Holzenergie und Holzwirtschaft einander. Reststoffe der Holzverarbeitung werden zur Versorgung der Industrieprozesse mit Energie genutzt, bei denen u. a. Holzbrennstoffe wie Pellets hergestellt werden.

  • Holz ist ein nachwachsender Rohstoff und energetisch genutzt nahezu CO2-neutral. Bäume absorbieren beim Wachstum CO2. Die CO2- Senkenleistung des deutschen Waldes beträgt 58 Mio. Tonnen jährlich
  • Durch Wald und Holz können in Deutschland bereits heute jährlich 14 Prozent der CO2-Ausstöße gebunden werden⁵
  • Rund elf Mio. Einzelfeuerungsanlagen tragen beinahe unabhängig von Energieimporten nahezu klimaneutral zur erneuerbaren Wärmeversorgung bei. Weiterhin sind ca. 0,9 Mio. zentrale Holzheizungen in Betrieb
  • Der Einsatz von modernen Holzfeuerstätten empfiehlt sich sowohl bei der Sanierung als auch im Neubau. Die CO2-neutrale Holzwärme ergänzt an kalten Tagen die im Neubau heute dominante Wärmepumpe oder die Gasbrennwerttechnik sehr gut. Der Stromverbrauch der Wärmepumpe lässt sich durch eine zusätzliche Holzfeuerstätte erheblich senken. Die Nutzung der Holzwärme dient somit der Entlastung des Stromnetzes und leistet einen potenziell hohen Beitrag zur Verbesserung der CO2-Bilanz des Hauses
  • Über 2.000 Holzheizwerke liefern leitungsgebundene Wärme für Quartiere, Nah- und Fernwärmesysteme und die Industrie. Heizwerke mit größeren Kesseln können neben klassischen Holzhackschnitzeln aus dem Wald auch Material z. B. aus der Landschaftspflege als Brennstoff einsetzen. In Heizwerken über 1 MW werden bereits heute 1,75 Mio. Tonnen dieses Reststoffes genutzt

⁵ DeSH-Presseinformation, „Sägeindustrie: Verlässliches Waldkonzept für Bayern nötig“, 10.06.2020.

Diese hier geschilderten Dimensionen und Potenziale der Holzwärme sind noch nicht ausgeschöpft. Fest steht, dass die Holzwärme die ambitionierten Klima- und Ressourcenschutzziele der Bundesregierung aktiv unterstützen kann.

„Heizen mit Holz und Holzpellets in modernen Wohnraumfeuerstätten ist praktizierter Klimaschutz – nachhaltig, ökologisch und ökonomisch –, zudem ist die Wohlfühlwärme einzigartig.“

—  Christiane Wodtke,
Präsidentin HKI – Industrieverband Haus-,
Heiz- und Küchentechnik e. V.

„Kachelöfen und Heizkamine erzeugen aus CO2-neutralem Holz nicht nur behagliche Strahlungswärme. Aufgrund hoher Wirkungsgrade heizen sie zudem effizient, energiesparend und umweltschonend.“

—  Guido Eichel,
Vorstand Arbeitsgemeinschaft der deutschen
Kachelofenwirtschaft e. V.