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Potenziale der Holzwärme und
Empfehlungen an die Politik

Wärmeerzeugung aus Holz: Bedeutung für Klimaschutz, Versorgungssicherheit und regionale Wertschöpfung

Die energetische Nutzung von Holz ist kein Gegensatz zur stofflichen Nutzung, sondern deren notwendige Ergänzung innerhalb einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft. Entlang der gesamten Forst- und Holzwertschöpfungskette entstehen Holzsortimente, für die eine hochwertige stoffliche Verwertung nicht möglich oder wirtschaftlich nicht darstellbar ist. Die energetische Nutzung dieser Materialien sichert Erlöse, die Waldumbau und Forstwirtschaft mitfinanzieren, stärkt regionale Wertschöpfung und leistet einen nachweisbaren Beitrag zur Versorgungssicherheit. Die Initiative Holzwärme plädiert deshalb für verlässliche politische Rahmenbedingungen, die Holzwärme als festen Bestandteil eines technologieoffenen, erneuerbaren Wärmemixes anerkennen – und die energetische Holznutzung nicht durch neue Regulierung einschränken.

Wärmeerzeugung aus Holz als Teil einer Kreislaufwirtschaft

Die Wärmeerzeugung aus Holz ist ein wichtiger Bestandteil der deutschen Wärmeversorgung und eng mit der Forst- und Holzwirtschaft verbunden. Dabei stehen die stoffliche Nutzung von Holz – etwa im Bauwesen, in der Möbelindustrie oder bei Holzwerkstoffen – und die energetische Nutzung nicht in Konkurrenz zueinander. Sie ergänzen sich innerhalb einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft.

Stoffliche und energetische Holznutzung im Verbund

Bei der Holzernte sowie bei der Verarbeitung entstehen unterschiedliche Holzqualitäten, Reststoffe und Nebenprodukte. Hochwertiges Holz wird bevorzugt stofflich genutzt; entlang der gesamten Wertschöpfungskette fallen jedoch erhebliche Mengen an Materialien an, die für eine hochwertige stoffliche Verwendung nur eingeschränkt oder wirtschaftlich nicht geeignet sind. Für diese Sortimente stellt die energetische Nutzung einen wichtigen und notwendigen Verwertungsweg dar.

Bereits 2007 lag das Angebot an Sägenebenprodukten bei rund 17 Mio. m³ – dem stand eine stoffliche Nachfrage von insgesamt 8,3 Mio. m³ aus Holzwerkstoff- und Papierindustrie gegenüber.¹ ² ³ Vor diesem Hintergrund investierten Unternehmen der Säge- und Holzindustrie in eigene Pelletproduktionen, die vielfach direkt in Produktionsprozesse integriert sind und Reststoffe in einen erneuerbaren Energieträger überführen. Auch zahlreiche Waldbesitzer nutzen Restholz zur Erzeugung erneuerbarer Wärme in Hackschnitzelanlagen.

Veränderungen auf den Rohstoffmärkten

In den vergangenen Jahren hat sich die Nachfrage nach Holznebenprodukten für die stoffliche Nutzung verändert – beeinflusst durch steigende Recyclinganteile bei Altholz und Altpapier sowie strukturelle Veränderungen in der Papierindustrie. Im Jahr 2021 standen 16,72 Mio. m³ Sägenebenprodukten eine stoffliche Nachfrage von insgesamt 9,3 Mio. m³ gegenüber.⁴ ⁵ ⁶

Auch die Nachfrage nach Nadel-Industrieholz für die Papier- und Zellstoffindustrie ist zurückgegangen: von 6,5 Mio. m³ im Jahr 2005 auf rund 4,5 Mio. m³ im Jahr 2021.⁷ ⁸ Mehrere Werksschließungen in der Papierindustrie haben diese Entwicklung zusätzlich beeinflusst.⁹

Gleichzeitig fallen in Wäldern und Sägewerken weiterhin erhebliche Mengen entsprechender Holzsortimente an – bedingt durch den Waldumbau sowie die wachsende Verwendung von Holz im Bauwesen. Für diese Materialien bleibt die energetische Nutzung ein unverzichtbarer Absatzweg.

Waldumbau und regionale Wertschöpfung

Für Waldeigentümer entsteht Brennholz häufig als Koppelprodukt bei der Holzernte. Die daraus erzielten Erlöse können Maßnahmen des Waldumbaus mitfinanzieren – ein Beitrag, der im Kontext des klimabedingten Waldwandels an Bedeutung gewinnt.

Darüber hinaus erzeugt die energetische Holznutzung regionale Wertschöpfung, da Rohstoffe, Verarbeitung und Nutzung häufig innerhalb derselben Region stattfinden. Dies stärkt die wirtschaftliche Stabilität von Unternehmen entlang der Forst- und Holzwertschöpfungskette.

Beitrag zur Wärmeversorgung

Holz ist ein heimischer Energieträger und trägt zur Diversifizierung der Energieversorgung bei. Die Abhängigkeit von importierten fossilen Energieträgern wird so reduziert. Gleichzeitig ermöglicht die energetische Nutzung die Verwertung von Holzsortimenten, für die keine oder nur begrenzte stoffliche Absatzmöglichkeiten bestehen. Moderne Holzheizungen erreichen hohe Wirkungsgrade und sind technisch darauf ausgelegt, Emissionen gegenüber älteren Anlagen deutlich zu senken.

Rolle im Energiesystem

Die Wärmeerzeugung aus Holz ist ein ergänzender Baustein in einem Energiesystem, das auf verschiedene erneuerbare Energieträger setzt. Sie ergänzt die stoffliche Holznutzung, stärkt regionale Wertschöpfungsketten und leistet einen Beitrag zur Versorgungssicherheit.

Politische Handlungsempfehlungen

Vor dem Hintergrund der dargestellten Marktentwicklungen spricht sich die Initiative Holzwärme dafür aus, die energetische Nutzung von Holz als festen Bestandteil der Wärmewende zu verankern. Holzheizungen sollten im Zusammenspiel mit anderen erneuerbaren Energieträgern als ergänzende Technologie anerkannt und entsprechend behandelt werden.

Die Initiative wendet sich gegen zusätzliche regulatorische Einschränkungen der energetischen Holznutzung. Eine verlässliche Verwertung von Restholz, Nebenprodukten und nicht stofflich nutzbaren Holzsortimenten ist eine strukturelle Voraussetzung für das Funktionieren der gesamten Wertschöpfungskette – und damit auch für die Finanzierbarkeit des Waldumbaus.

Die Initiative fordert darüber hinaus die Fortführung einer angemessenen Förderung moderner Holzheizungen. Ein Wegfall oder eine deutliche Absenkung der Förderung würde Investitionen in emissionsarme Anlagen erschweren und hätte spürbare wirtschaftliche Auswirkungen auf die Forst- und Holzwirtschaft.

Holzwärme wird als Bestandteil einer ausgewogenen Energie- und Rohstoffstrategie betrachtet: als Beitrag zur Ergänzung der stofflichen Nutzung, zur Stabilisierung heimischer Wertschöpfungsketten und zur Unterstützung der Energiewende. Die Initiative erklärt ihre Bereitschaft, den politischen Dialog über die Förderrahmen und die Rolle der energetischen Holznutzung im Energiesystem aktiv fortzuführen.

Quellen
  1. Mantau, U.; Hick, A. (2008): Sägeindustrie, Einschnitt und Sägenebenprodukte, Universität Hamburg, S. 6.
  2. Mantau, U.; Hick, A. (2008): Sägeindustrie, Einschnitt und Sägenebenprodukte, Universität Hamburg, S. 6.
  3. Mantau, U.: Holzrohstoffbilanz – Szenarien des Holzaufkommens und der Holzverwendung bis 2012, Universität Hamburg, S. 22.
  4. Statistisches Bundesamt (Destatis); Berechnung Deutsche Säge- und Holzindustrie Bundesverband.
  5. Glasenapp, S.; Jochem, D. (2021): Rohstoffmonitoring Holz – Holzwerkstoffindustrie 2021, Thünen-Institut für Waldwirtschaft, Hamburg, S. 7.
  6. Glasenapp, S.; Jochem, D. (2021): Rohstoffmonitoring Holz – Holzstoff- und Zellstoffindustrie 2021, Thünen-Institut für Waldwirtschaft, Hamburg, S. 7.
  7. Mantau, U.: Holzrohstoffbilanz – Szenarien des Holzaufkommens und der Holzverwendung bis 2012, Universität Hamburg, S. 34.
  8. Glasenapp, S.; Jochem, D. (2021): Rohstoffmonitoring Holz – Holzstoff- und Zellstoffindustrie 2021, Thünen-Institut für Waldwirtschaft, Hamburg, S. 7.
  9. Angaben zu Werksschließungen der Papierindustrie: UPM Werk Plattling (2023) sowie Sappi Werk Stockstadt.